
Die Chaosphase und der Neuanfang
Warum ich Grey’s Anatomy gucke statt mein Traumleben zu leben. Warum es die Chaosphase für eine Neuordnung braucht.
In diesem Beitrag erfährst du, wie eine Auswandern Erfahrung in Litauen aussehen kann, wenn du aufhörst zu planen und anfängst zu fühlen und warum ChatGPT dabei mein bester Makler war.
Ich bin auf einer Landstraße unterwegs, irgendwo in Litauen, zwei Stunden zu diesem Haus mit dem Hottub, das ich für ein paar Nächte gemietet habe. Weil ich halt so Urlaub mache. Hottub im Nirgendwo. Glamour pur. Und die ganze Zeit gehen von der Hauptstraße diese kleinen Wege ab. Nicht geteert, einfach Schotterpisten, die irgendwo ins Grüne führen. Am Ende von diesen Wegen stehen Häuser. Einzeln. Für sich. Umgeben von nichts außer Wiese und Bäumen.
Ich hab in Deutschland so lange nach genau so was gesucht. Ein Haus, wo du rausgehst und niemand steht vor deiner Tür. Echte Ruhe. Nicht die Ruhe von einem ruhigen Stadtteil, wo trotzdem alle drei Minuten ein Auto vorbeifährt. Ich hab’s nie gefunden. Oder doch, aber unbezahlbar, oder zu weit weg, oder irgendein Haken. Immer irgendwas.
Hier fahr ich einfach an diesen Häusern vorbei und die stehen einfach da. Als wär das normal. Das war der Moment, wo meine Auswandern Erfahrung wirklich begonnen hat. Nicht am Flughafen. Nicht bei der Einreise. Sondern auf dieser Landstraße.
Ich muss ja immer irgendwas machen, irgendwas aufziehen, irgendwie produktiv sein. Kennst du das? Dieses Gefühl, dass Nichtstun sich anfühlt wie Versagen? Und dann sitze ich da drin. Es ist dunkel. Und ich mache einfach – nichts. Buch liegt neben dem Hottub, ungeöffnet. Ich sitze einfach nur da.
Ich erinnere mich an die Häuser von der Fahrt. An dieses Gefühl. Und dann merke ich: Seit ich in Litauen angekommen bin – trotz der Panikattacken, trotz dieser komplett verkackten ersten Nacht – ist mein Kopf ruhig. So ruhig wie in Deutschland nie. Da ist eine Sicherheit in mir, die ich nicht erklären kann. Die einfach da ist.
Und dann denke ich: Ich will hier bleiben. Nicht irgendwann. Nicht vielleicht. Ich will hier ein Haus finden.
Was danach passiert, ist total typisch für mich: Ich werde panisch. Ich sitze im Hottub und schicke hektische Sprachnachrichten an Freunde. Quasi nackt, mit nassen Fingern auf dem Handy, mitten in Litauen. Sehr würdevoll. Weil – wie groß ist dieser Schritt bitte? Ich bin seit ein paar Tagen hier und will hierbleiben?
Es gibt Gründe, die sich anfühlen wie Gegenargumente. Aber wenn du ehrlich hinguckst, ist da nichts. Kein einziger echter Grund dagegen. Jede Auswandern Erfahrung fängt irgendwo an. Meine war das hier. Ein Hottub. Nasse Finger. Und die Erkenntnis dass nichts dagegen spricht.
Und dann fange ich an zu suchen. Aber ich hab keine Ahnung, wie man in Litauen ein Haus mietet. Null. Also frage ich ChatGPT. Nicht: „Finde mir ein Haus.“ Sondern: „Wie funktioniert das hier? Wo suchen Litauer nach Wohnungen? Worauf muss ich achten?“
Und was ich lerne, ist so anders als alles, was ich aus Deutschland kenne. Du brauchst keine Bewerbungsmappe. Es ist egal, ob du einen festen Job hast. Wichtig ist, dass du zeigen kannst, dass du finanziell auf eigenen Beinen stehst. Aber der Rest? Bauchgefühl. Litauer entscheiden aus dem Bauch raus.
Du rufst an. Keine E-Mail, keine Chatnachricht. Du rufst die Nummer an, die in der Anzeige steht. E-Mails werden ignoriert. Einfach so. Stell dir das mal vor. In Deutschland schickst du eine Bewerbungsmappe für eine Mietwohnung. Hier rufst du an und redest. Ich hab ChatGPT auch gefragt, wie hoch die Chance ist, dass jemand Englisch spricht. Und was ich mache, wenn nicht. Die Strategie: Nachricht auf Litauisch, mit Google Translate zusammengebastelt. Vor Ort genauso – Handy raus, übersetzen lassen. Mein Mietvertrag war am Ende komplett auf Litauisch. Google Translate, Satz für Satz. Funktioniert.
Ich wusste das alles schon, bevor ich die erste Anzeige angeklickt hab. Quasi mein persönlicher Relocation-Berater, nur ohne Anzug und ohne Rechnung.
Und dann finde ich dieses Haus. Und ich rufe an – so wie ChatGPT es mir gesagt hat. Die Vermieterin spricht Englisch. Wir reden. Ich erzähle ihr, was ich mache, warum ich hier bin. Und sie sagt einen Satz, den ich nicht vergesse:
„We are humans."
Kein Vertrag per Mail, kein Bonitätscheck, keine Schufa-Auskunft. Wir sind Menschen. Wir reden miteinander und dann entscheiden wir. In Deutschland bist du eine Akte. Hier bist du ein Mensch.
Der Mietvertrag geht schnell. Auf Litauisch, klar. Google Translate, Satz für Satz durchgegangen, alles verstanden. Unterschrieben. Ich hatte erwartet dass eine Auswandern Erfahrung kompliziert ist. Bürokratie, Sprachbarriere, endlose Wartezeiten. Stattdessen: Ein Telefonat. Ein Gespräch. Ein Satz. We are humans.
In Litauen. Am Ende von so einer kleinen Schotterstraße, die von der Hauptstraße abgeht. So wie die, an denen ich ein paar Tage vorher vorbeigefahren bin. Weißt du, was das Verrückte ist? Ich hab nicht wochenlang gesucht. Ich hab nicht zehn Besichtigungen gemacht. Ich hab in einem Hottub gesessen, aufgehört zu denken, und dann gewusst, was ich will. Und dann hab ich’s gemacht. Da ist ein Unterschied zwischen „Ich weiß, was ich will“ und „Ich traue mich, es zu tun.“ Und den darfst du dir merken, weil den machen die meisten Leute nicht. Aber davon erzähle ich dir beim nächsten Mal. Da geht es um die Nachrichten, die danach kamen. Von Leuten, die es gut meinen. Die fragen: „Geht es dir gut?“ Und warum diese Frage manchmal das Gegenteil von Unterstützung ist.
Bist du auch an dem Punkt, wo du weißt: Du brauchst etwas Neues? Du willst Reisen und dich von deinem Alltag befreien?
Dann lass uns reden. In einem kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst und was dein nächster Schritt sein könnte.

Ich begleite Menschen in Entscheidungs- und Umsetzungsprozessen. Ich erkenne, wo jemand innerlich festhängt, warum Entscheidungen schwerfallen und weshalb Veränderung genau da abbricht, wo sie eigentlich beginnen sollte.

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